Natalie Wintermantel ist Diplom-Psychologin und hat vor einiger Zeit ihr erstes Buch veröffentlicht, über welches wir bereits in einem früheren Artikel berichtet haben. Im heutigen Interview spricht die Autorin und Psychologin vor allem über die richtige Berufswahl, das Thema Psychologie und die Arbeit als Autor. Wenn Du also nicht ganz zufrieden mit Deinem Job bist, Dich für das Thema Psychologie interessierst oder vielleicht mit dem Gedanken spielst, mal ein eigenes Buch zu veröffentlichen, dann warten auf Dich einige spannende Antworten.

Wer ist Natalie Wintermantel?

Nach ihrem Abitur 1997 und der anschließenden kaufmännischen Ausbildung war Natalie Wintermantel zunächst in der Finanz- und Immobilienbranche tätig. Erst später schlug sie den Weg in die Psychologie ein. Von 2006 bis 2011 studierte die heute 38-Jährige Psychologie an der Goethe Universität in Frankfurt am Main. Wie es dazu kam, sich gegen ihren ursprünglichen Beruf zu entscheiden, das wird sich im Laufe des Interviews klären.

Heute betreibt Natalie Wintermantel ihre eigene Coaching Praxis in Frankfurt am Main. Ihre Lebensaufgabe lautet: „Menschen bei ihren persönlichen und beruflichen Herausforderungen zu begleiten und zu unterstützen“. Daher coacht sie ihre Klienten mit viel Freude und Überzeugung. In ihrer Freizeit betreibt sie gerne Yoga und genießt es außerdem, die Welt zu bereisen.

Das Interview mit Natalie Wintermantel

1. Hallo Natalie, wir freuen uns sehr darüber, Dich heute interviewen zu dürfen. Wie immer legen wir direkt los. Vor Deinem Beruf als Coach und Psychologin warst Du im Bereich Finanzen und Immobilien tätig. Wann hast Du gemerkt, dass dies nicht das Richtige für Dich ist?

Natalie Wintermantel: „Hallo Konrad, danke für Euer Interesse an meinem Tun. Zu Deiner Frage: Es war ein schleichender Prozess. Es gab keinen konkreten Zeitpunkt, an dem ich gemerkt habe, dass es nicht mehr für mich passt, sondern es fand im gewissen Sinne eine natürliche Entwicklung statt. Zu Beginn meiner beruflichen Laufbahn als kaufmännische Angestellte ging es nicht darum, sich selbst zu suchen bzw. zu finden, sondern es ging in erster Linie ums Geldverdienen.

Ich war jung und musste die Kosten für Miete, Versicherungen, Lebensmittel und Benzin monatlich begleichen. Zu viel Zeit zum Nachdenken über den höheren Sinn des Lebens hatte ich nicht, weil ich teilweise in einem 40-Wochen-Stunden-Hauptberuf und zeitgleich in einem Nebenjob beschäftigt war.

Natalie Wintermantel

Nach einer Weile kehrte allerdings der berufliche „Alltag“ und eine gewisse Unzufriedenheit ein. Ich fing an, darüber nachzudenken, warum ich all diese Tages-Aktivitäten verrichte und wie sich das für meine Seele anfühlt. Dann begann ich im Feierabend regelmäßig Bücher zu lesen. Ich war regelrecht „süchtig“ nach der Literatur im Bereich der Persönlichkeitsentwicklung. Es war sehr spannend, den – aus meiner damaligen Sicht „sonderbaren“ – Gedanken der Autoren zu folgen und darüber zu reflektieren.

Später, vielleicht mithilfe einer glücklichen Schicksalsfügung, hatte ich zwei Veranstaltungen von Anthony Robbins besuchen dürfen und dies veränderte mein Leben nachhaltig. Dann traf ich die richtige, aber auch folgenschwere Entscheidung, lieber meiner inneren Stimme zu vertrauen und den Weg zu meiner Berufung zu folgen.“

2. Glaubst Du, dass es einen sehr großen Einfluss auf die Ergebnisse und Leistungen im Job hat, wenn man das, was man täglich macht, wirklich liebt? Du kannst hier ja sicherlich auch aus Erfahrung sprechen.

Natalie Wintermantel: „Ja und nein: Das möchte ich auch begründen. Sicherlich gibt es viele Menschen, die gute Leistungen am Ende des Tages abliefern, obwohl sie ihren Job nicht unbedingt mögen. Nur das kostet sie zu viel wertvoller Energie. Anders gestaltet es sich, wenn wir unsere Arbeit lieben. Dann „tanken“ wir Energie beim Arbeiten auf und sind täglich voller Leidenschaft bei der Sache, frohen Mutes und auch für unsere Mitmenschen inspirierend.

Wir Menschen verbringen so viel Zeit am Arbeitsplatz und wenn wir eine Arbeit verrichten, die wir lieben, dann fühlen wir uns meistens gut. Wir sind mit uns selbst sozusagen im Flow und im Reinen. Wir sind voller Freude. Wir müssen uns nicht zu Tätigkeiten zwingen, die für uns selbst keinen wirklichen Sinn ergeben. Und das hat ganz sicher eine Auswirkung auf die Qualität der Ergebnisse.“

3. Du arbeitest mit Freude als Coach in Frankfurt am Main. Worauf legst Du im Hinblick auf Deine Kunden bzw. Deine dortige Arbeit ganz besonders viel Wert?

Natalie Wintermantel: „Bei meiner Arbeit als systemischer Coach bzw. psychologische Beraterin ist es mir besonders wichtig, bei jedem einzelnen Klienten personenbezogen sehr individuell vorzugehen. Auch, wenn die zu beratenden Themen sich teilweise ähneln, gehen die Klienten mit diesen oft unterschiedlich um.

Weiter versuche ich mich stets, in die Situation des mir gegenüber sitzenden Menschen einzufühlen. Ich stelle dabei immer sehr viele Fragen. Konzentriertes Dasein und wirkliches Zuhören erweisen sich dabei als sehr hilfreich. Gegenseitiges Vertrauen spielt natürlich ebenfalls eine nicht unerhebliche Rolle in der Zusammenarbeit.“

4. Vor kurzer Zeit haben wir über Dein erstes Buch „Schnecken sind nicht langsam, sie schätzen nur das Leben“ berichtet und sind davon noch heute begeistert. Wie kam es zu dieser Idee, ein eigenes Buch zu schreiben und letztendlich zu veröffentlichen?

Natalie Wintermantel: „Danke für Euer Kompliment. Das höre ich gerne. Bei der Idee mit dem eigenen Buch folgte ich ein weiteres Mal meiner Intuition. Irgendwann war es soweit, dass ich meine innere Stimme nicht mehr überhören konnte. Sie war zu laut und „drängte“ mich  regelrecht dazu, einfach loszuschreiben.

Schnecken sind nicht langsam

Durch meine gesammelten Berufs- und Lebenserfahrungen und vor allem durch die Tätigkeit als Coach, wurde mir bewusst, dass die Komplexität des Alltags vielen Menschen zu schaffen macht. Weil es im täglichen Leben häufig um ganz pragmatische Dinge geht, bleibt zu wenig Zeit für die Selbstreflexion. Mit meinem Buch wollte ich vor allem Impulse für mehr Freude, Zufriedenheit und Authentizität geben.

Auch enthält das Buch zahlreiche Fragen, die dabei helfen können, sich selbst näher zu kommen: Falls der Leser mutig genug ist, sich auf die Fragen tatsächlich einzulassen. Die zahlreichen positiven Leser-Rezensionen zu meinem Buch erfreuen mich sehr und zeigen, dass das Thema der Persönlichkeitsentwicklung zeitlos ist.“

5. Ein großes Kapitel des Buches ist die „Persönlichkeitsentwicklung“. Kannst Du uns hier drei Bücher anderer Autoren nennen, die Du in Bezug auf das Thema Persönlichkeitsentwicklung für äußerst lesenswert hältst?

Natalie Wintermantel: „Ja, sehr gerne. Diese drei Bücher lauten:

  • Dale Carnegie: „Sorge Dich nicht – lebe!“,
  • Paul Watzlawick „Anleitung zum Unglücklichsein“ und von
  • Ron Smothermon „Drehbuch für Meisterschaft im Leben“.“

6. Sind für die Zukunft noch weitere Bücher geplant oder war das fürs Erste eine einmalige Sache? Falls weitere Bücher geplant sind, kannst Du uns diesbezüglich schon etwas mehr verraten?

Natalie Wintermantel: „Ja, ich schreibe gerade das 2. Buch. Es geht um das großartige Thema „Beziehungen“. Auch in diesem Buch wird der Leser einige wertvolle Impulse für die Gestaltung seiner Beziehungen finden. Den Titel und weitere Details möchte ich vorerst noch nicht verraten, weil sich noch Vieles im Laufe des kreativen Schreibprozesses verändern kann.“

7. Wie hat man sich die Arbeit als „neuer und unbekannter“ Autor vorzustellen? Ein Laie denkt womöglich, dass es mit dem Schreiben des Textes getan ist. Derweil steckt vermutlich einiges mehr dahinter. Wie kann man sich die Vorgänge hinter den Kulissen vorstellen (mit Verlag, Design, Rechtsfragen, etc.)?

Natalie Wintermantel: „Das ist eine sehr komplexe Frage. Eins vorweg: Mein erstes Buch ist in einem Self-Publishing-Verlag erschienen. Das bringt viele Vorteile bei der Gestaltung des Covers und des Buchinhalts mit. Als Autor ist man dabei keinen Vorgaben des klassischen Verlages unterworfen. Man genießt zum Beispiel die uneingeschränkte Freiheit im Bezug auf das Veröffentlichungsdatum.

Natalie Wintermantel

Allerdings hat diese Freiheit auch ihren Preis. Es ist ein hartes Stück Arbeit, das Buch zu vermarkten und unter die Leser zu bringen. Als Autor beim Self-Publishing-Verlag schlüpft man automatisch in verschiedene Rollen – in die des Pressesprechers, des Marketingmanagers, des Vertriebsmannes und manchmal auch in die Rolle des Lieferanten.

Alle diese Positionen werden im klassischen Verlag durch verschiedene Personen vertreten. Daran erkennt man, wie zeit- und arbeitsintensiv so etwas sein kann. Das Wichtigste bei all dem ist für mich, dass mein Buch anderen Menschen einen Mehrwert für ihr Leben bietet. Dafür lohnt sich die Mühe allemal.“

8. Wir kommen nochmal zurück zum Thema Psychologie. Die Psychologie des Menschen stellen wir uns als äußerst komplexes Thema vor. Gibt es zum Einstieg in die Welt der Psychologie bestimmte Bücher, die Du unseren Lesern diesbezüglich empfehlen kannst? Oder wird für ein gewisses Grundverständnis mehr benötigt, als „nur ein paar Bücher“?

Natalie Wintermantel: „Dies ist eine sehr interessante Frage. Was ist Deiner Meinung nach Psychologie? Mithilfe der „Psychologie“ wird in der Regel das Verhalten von Menschen beschrieben: Ihre Erlebnisse im Laufe des Lebens, die dabei stattfindende tiefgreifende Entwicklung mit all ihren inneren und äußeren Bedingungen.

Meiner Meinung nach ist Psychologie in allem: In jedem Gespräch, in jeder Beziehung – sei es zu Kollegen, Freunden oder Partnern, in jeder E-mail, in jeder Situation des Alltags ist Psychologie. Auch sind wir Menschen von Natur aus mit einer inneren Stimme ausgestattet. Nur haben einige Menschen verlernt, auf diese zu hören. Beobachtungsgabe spielt eine wichtige Rolle in der menschlichen Psychologie.

Auf Bücher-Empfehlungen möchte ich an dieser Stelle ganz bewusst verzichten. Zum einen, weil es eine unüberschaubare Menge an Büchern in den jeweiligen Bereichen der Psychologie gibt. Und zum anderen kann jeder Leser dieses Interviews sich selbst am besten einschätzen, welche Psychologie-Kenntnisse bereits vorhanden sind und darauf aufbauend, sich für eine bestimmte Art von Büchern entscheiden.“

9. Im Bereich der Psychologie werden sicherlich auch ständig neue (wissenschaftliche) Erkenntnisse gewonnen und alte Theorien von neuen Denkweisen abgelöst. Wie stehst Du zum Thema kontinuierliche Weiterbildung, wie wichtig ist dies in Deinem Beruf und wie bildest Du Dich konkret weiter?

Natalie Wintermantel: „Weiterbildung ist in jedem Berufszweig wichtig, nicht nur in der Psychologie. Weiterbildung macht die Entwicklung erst möglich. Wenn man den Klienten eine qualitativ hochwertige Dienstleistung bieten möchte, dann führt kein Weg an der kontinuierlichen Weiterbildung vorbei.

Ich persönlich bilde mich vor allem selbst und ständig weiter. Nach wie vor lese ich täglich und gerne alles im Bereich „Persönlichkeitsentwicklung“. Auch der regelmäßige Austausch mit meinen Psychologen-Kollegen, als auch der Besuch von Fach-Vorträgen und /-Seminaren runden meine eigene Weiterbildung ab.“

Das solltest Du aus diesem Interview mitnehmen

Natalie Wintermantel hat uns interessante Einblicke in die Welt der Psychologie und auch in die eines neuen Autors gegeben. Desweiteren konntest Du an ihrem Beispiel sehen, dass der Mut durchaus belohnt wird, wenn Du Dich gegen Deinen ursprünglichen Beruf und für Deinen „Traum“ entscheidest. Natürlich ist dies keine Entscheidung, die von heute auf morgen gefällt werden sollte. Solch ein Vorhaben benötigt mit Sicherheit auch eine durchdachte Vorgehensweise. Auf alle Fälle hat Dir Natalie Wintermantel zeigen können, dass es einen Ausweg gibt, der funktioniert.

Außerdem wurde auch in diesem Interview erneut deutlich, wie wichtig die kontinuierliche Weiterbildung für Dein Leben ist. Bilde Dich täglich weiter und Du wirst schnell merken, wie weit Dich diese Angewohnheit bringen kann. An dieser Stelle passt wohl folgendes Zitat wie die Faust aufs Auge.

„WER AUFHÖRT, BESSER ZU WERDEN, HAT AUFGEHÖRT, GUT ZU SEIN.“

DEIN KOMMENTAR