Johannes Schlech ist gerade einmal 20 Jahre alt. Den Schritt in Richtung der nebenberuflichen Selbstständigkeit als Kleinunternehmer hat er allerdings schon gewagt. Heute spricht der Gründer von „Schlech Visual Design“ mit uns über seinen Werdegang und gibt Dir unter anderem wichtige Tipps zum Thema Kleinunternehmertum. Ein sehr spannendes Interview, das für jeden interessant ist, der über die Selbstständigkeit nachdenkt und damit vielleicht erst einmal nebenberuflich starten möchte. Und auch für junge Schüler sind lesenswerte Antworten zu finden, vor allem Hinblick auf die spätere Jobsuche nach dem Abschluss.

Wer ist Johannes Schlech?

Bei Johannes Schlech dreht sich alles um die Themen Fotografie, Bildbearbeitung und Design. Die Liebe zur Welt der Medien hat schon im Alter von drei Jahren begonnen, als er mit der Spiegelreflexkamera seines Vaters durch das Haus rannte, um die ersten „scharfen“ Bilder zu schießen. Heute steckt der 20-Jährige mitten in der Ausbildung zum Mediengestalter für Digital und Print bei einem führenden Hersteller für Nutzfahrzeuge in Europa. Vor einem halben Jahr hat er sich zusätzlich zur Ausbildung für die nebenberufliche Selbstständigkeit als Kleinunternehmer entschieden.

Die Leistungen, die Johannes Schlech bei „Schlech Visual Design“ anbietet, lassen kaum Wünsche übrig. Grafik- und Logodesign, Hochzeits- und Eventfotografie, Bewerbungsfotos, Printdesign und vieles mehr. In unserem Interview spricht er darüber, wie es letztendlich zum Schritt in die nebenberufliche Selbstständigkeit als Kleinunternehmer kam und welche Erfahrungen er auf dem Weg bis heute gemacht hat.

nebenberufliche Selbstständigkeit als Kleinunternehmer

Um Dir einen groben Überblick über den Werdegang von Johannes Schlech zu verschaffen, haben wir hier die wichtigsten Eckdaten für Dich zusammengefasst. Johannes Schlech kommt aus Bayern und wurde 1996 bei Augsburg geboren. Nach der Grundschule folgte der Besuch des Gymnasiums. Während seiner Schulzeit folgte 2011 der Erstkontakt mit Photoshop. 2012 startete er seine eigene Facebookseite, für deren damalige Design-Inhalte er sich heute fast schon ein wenig schämt. 2013 kam schließlich durch den Kauf einer Spiegelreflexkamera der Einstieg in die Fotografie.

Nachdem Johannes Schlech 2015 das Abitur absolvierte, startete er im gleichen Jahr die Ausbildung zum Mediengestalter für Digital und Print. Rund ein Jahr später, also im August 2016, folgte letztendlich die nebenberufliche Selbstständigkeit als Kleinunternehmer und somit die Gründung von „Schlech Visual Design“. Neben der Design-Welt ist Sport ein großes Hobby des 20-Jährigen.

Das Interview mit Johannes Schlech über die nebenberufliche Selbstständigkeit als Kleinunternehmer

1. Hallo Johannes und vorab schon einmal vielen Dank für Deine Zeit. Wir legen direkt los. Du hast vor einem knappen Jahr den Schritt in die nebenberufliche Selbstständigkeit als Kleinunternehmer (parallel zur Ausbildung) gewagt. Hat Dich dieser Schritt Überwindung gekostet und gab es gewisse Hürden, bei denen Du Bedenken hattest bzw. die es zu meistern gab?

Johannes: „Natürlich hatte ich oft Zweifel an meinem Vorhaben. Bin ich diesem Schritt gewachsen? Kann ich das in meinem Alltag überhaupt unterbringen? Die größte Hürde aber war es, sich alle Informationen zu besorgen, z. B. zur steuerrechtlichen Situation. Bei welcher Kammer (IHK oder HWK) muss ich mich anmelden? Welche Beiträge und welche Nebenkosten kommen auf mich zu?

Hier gab es schon einige schlaflose Nächte, weswegen von der Idee bis zur wirklichen Anmeldung ein gutes halbes Jahr vergangen ist. Rückblickend kann ich aber sagen, dass der Stress nicht wirklich gerechtfertigt war, da das alles viel einfacher ist als man denkt.“

2. Welche(n) Tipp(s) kannst Du anderen Menschen geben, die ebenfalls mit dem Gedanken spielen, ins Kleinunternehmertum zu starten oder gerade mitten in diesem Gründungsprozess stecken? Was würdest Du mit Deinem heutigen Wissensstand vielleicht anders machen als vor einem knappen halben Jahr?

Johannes: „Ich glaube, der Gründungsprozess selbst ist nicht das Schwierigste. Hier kann ich nur empfehlen, sich mit einem Mitarbeiter in seiner Gemeinde/Stadt und einem Steuerberater zusammenzusetzen und sich die nötigen Infos zu holen. Kleiner Tipp am Rande: Mitschreiben! Ich habe beispielsweise alle wichtigen Informationen in einem kleinen, schwarzen Büchlein gesammelt.

nebenberufliche Selbstständigkeit als Kleinunternehmer

Aus meiner Sicht ist es außerdem eher wichtig, sich darüber im Klaren zu sein, was es bedeutet, sich nebenberuflich selbstständig zu machen. Ein gutes Zeitmanagement ist dabei das A und O, um beide Berufe unter einen Hut zu bekommen. Nicht zu selten saß ich bis spät in die Nacht an meinem Computer, weil ein Auftrag am nächsten Tag in den Druck musste.“

3. Du steckst mitten in der Ausbildung zum Mediengestalter für Digital und Print bei einem der führenden Hersteller für Nutzfahrzeuge in Europa. Gab es hier Konflikte mit dem Arbeitgeber in Bezug auf Deine neue nebenberufliche Tätigkeit?

Johannes: „Konflikte gab es überhaupt nicht, im Gegenteil. Meine Chefin war sogar sehr begeistert von meinem Vorhaben und lobte mich für meinen Unternehmergeist.“

4. Wie sieht Dein Plan für die Zukunft aus? Du hast uns bereits mitgeteilt, dass Du nach der Ausbildung studieren möchtest. Was ist danach geplant? Folgt dann der Schritt in die vollkommene Selbstständigkeit oder gar schon früher?

Johannes: „Mit der vollkommenen Selbstständigkeit liebäugele ich natürlich schon öfters. Jedoch setze ich mich hier nicht unter Druck und möchte abwarten, wie sich mein Unternehmen entwickelt und natürlich auch, wo ich persönlich stehe. Wie ihr schon gesagt habt, strebe ich nach meiner Ausbildung auf alle Fälle noch ein Studium an. Wie das aussieht und wie es danach weitergeht, steht noch in den Sternen. Aber das lasse ich auf mich zukommen.“

5. Vor rund fünf Jahren und somit schon in der 8. Klasse begann Dein Interesse für Grafik- und Printdesign durch das Programm Photoshop. Zwei Jahre später, also 2013, folgte zusätzlich der Einstieg in die Fotografie. Wie bist Du auf die Welt der Medien aufmerksam geworden und aus welchen Quellen hast Du damals Dein Wissen für die Programme und die Technik, die hinter dem Handwerk stecken, bezogen?

Johannes: „Die Geschichte, wie ich dazu gekommen bin, ist eigentlich relativ schnell erzählt. Begonnen hat alles mit der Begeisterung fürs Zeichnen. Irgendwann ist mir dann aber Papier und Bleistift doch zu langweilig geworden und ich habe mir eine Grafiktablett zum Zeichnen am PC zugelegt. Mit dem Tablett kam schließlich auch das Bildbearbeitungsprogramm Photoshop (damals noch CS5) auf meinen PC. Natürlich war es mit „ein bisschen malen“ dann doch nicht getan und ich fing an, die ersten Party-Flyer und Plakate für den Freundeskreis zu entwickeln. Das Wissen dazu habe ich hauptsächlich aus YouTube-Tutorials genommen und mit der guten, alten Trial & Error-Methode angewandt.

Ich glaube, mein Erfolgsrezept war, dass ich immer nach neuen Anregungen gesucht habe und nie aufgegeben habe, auch wenn nicht immer alles auf’s erste Mal geklappt hat!“

6. Inwiefern waren Deine Vorkenntnisse in Theorie und vor allem in der Praxis bei der Bewerbung zur Ausbildung hilfreich? Wie sieht das ganze während der Ausbildung aus, hast Du hier bislang viel dazugelernt, hast Du Dein vorhandenes Wissen direkt anwenden können oder kommt Dir vieles schon bekannt vor und Du lernst somit wenig Neues?

Johannes: „Meine praktischen Vorkenntnisse kamen mir bei meiner Bewerbung wirklich sehr zu Gute.

Vorab hatte ich in meinem jetzigen Betrieb schon ein einwöchiges Praktikum absolviert. Das war sozusagen mein Sprungbrett, da ich mit meinen Fähigkeiten glänzen und letztendlich überzeugen konnte. Danach war eigentlich schon klar, dass ich die Ausbildungsstelle bekomme. Dementsprechend konnte ich mit dem Grundverständnis der Funktionsweise der Adobe Creative Cloud in meiner Ausbildung gleich mit in das Alltagsgeschäft einsteigen. Vor allem durch mein Wissen über die Fotografie konnte ich meinen Betrieb weiterbringen und bin mittlerweile erster Ansprechpartner, wenn es um Fotos und Nachbearbeitung geht.

Trotz meiner Vorkenntnisse habe ich jedoch noch viel dazu gelernt und eine enorme Entwicklung durchgemacht, was mir vor allem an meinen alten Arbeiten auffällt. Mein Ausbilder hat hier natürlich viel dazu beigetragen, da er mir nicht nur streng neue Gestaltungsregeln beibrachte, sondern mir geholfen hat, mein Auge zu schulen und kreativ zu arbeiten.“

7. Du hast Dein großes Hobby, das Du sicherlich „liebst“, zu Deinem Beruf gemacht. Wie wichtig ist das für Dich persönlich? Inwiefern glaubst Du, dass sich dies auch in der Qualität Deiner Arbeit widerspiegelt?

Johannes: „Das ist für mich extrem wichtig! Meiner Meinung nach sollte der Spaß bei der Arbeit nie zu kurz kommen. Für mich ist das keine Arbeit, die gemacht werden muss, sondern Arbeit, die ich machen darf und will. Deswegen funktioniert bei mir die nebenberufliche Selbstständigkeit auch sehr gut, da es mir abends am PC oder bei einem Fotoshooting nicht wie Arbeit vorkommt.

„Für mich ist das keine Arbeit, die gemacht werden muss, sondern Arbeit, die ich machen darf und will.“ BY JOHANNES SCHLECH

Die Liebe zu meinem Beruf spiegelt sich vor allem in meiner Perfektion wieder. Wenn ich mit meiner Arbeit nicht zu 100 Prozent zufrieden bin, werde ich so lange daran feilen, bis mich mein Werk überzeugt und bis alles so aussieht, wie ich es mir vorgestellt habe. Das kann schon mal die eine oder andere Stunde Schlaf kosten und die Nerven meiner Freundin etwas strapazieren.“

8. Gerade im Bereich Fotografie und Grafik-/Printdesign ist die Konkurrenz groß. Wie versuchst Du Dich von der Konkurrenz abzuheben? Verfolgst Du eine spezielle Marketingstrategie oder besser gefragt, wie machst Du neue Kunden auf Dich aufmerksam?

Johannes: „Ich versuche mich durch die Kombination meiner Fähigkeiten auf hohem Niveau einzigartig zu machen. Somit biete ich meinen Kunden ein komplettes Angebot, das von Businessportraits bis hin zum Logodesign reicht. Meistens kommen Kunden zu mir, die wiederum von anderen davon erfahren haben, die von ihren Bekannten wissen, dass… Im Endeffekt spricht sich meine Arbeit in meinem Freundes- und Bekanntenkreis herum, sodass richtige Printwerbung gar nicht wirklich von Nöten ist.

Dafür bin ich auch in der Social Media vertreten. Auf meinem Instagram-Kanal sowie auf meiner Facebook-Seite stelle ich immer mal wieder Bilder und neueste Aufträge vor. Natürlich halte ich auch meine Homepage immer auf dem neuesten Stand. Davon könnt ihr euch natürlich gerne überzeugen: www.schlechdesign.com

9. Du bist noch sehr jung. Wie war die Reaktion in Deinem Umfeld, speziell die Deiner Eltern, als klar war, dass Du Dich neben Deiner Ausbildung als Kleinunternehmer versuchen möchtest?

Johannes: „Da ich schon länger die Party-Plakate von Freunden gestalte und schon nahezu jeden meines Bekanntenkreises vor der Linse hatte, kam der Schritt in die Selbstständigkeit nicht überraschend. Bisher habe ich auch nur positives Feedback von meinem Umfeld bekommen, da alle meine Idee respektiert und mich in meinem Vorhaben auch unterstützt haben. Meine Eltern standen immer voll hinter mir, da sie wissen, dass ich alles, was ich anpacke, auch zu 100 Prozent durchziehe und sie sich da keine Sorgen machen müssen. Auch meine Freundin hat mich in meinem Plan bestärkt und muss mich jetzt zeitweise eher ausbremsen, damit ich nicht nur noch am Arbeiten bin und auch mal Zeit für sie habe.“

10. Abschließend unsere letzten Fragen an Dich. Wie wichtig ist es für Dich, Dir ständig neues Know-How anzueignen und woraus beziehst Du heutzutage Dein neues Wissen? Wie unterscheidet sich der Lernprozess heute im Vergleich zu Deinen Anfängen?

Johannes: „Ich glaube in der digital geprägten Welt, in der wir heute leben, ist die ständige Weiterbildung und der Hunger nach neuem Wissen überlebenswichtig. Das betrifft vor allem meinen Berufszweig, der durch ständige Weiterentwicklung der Technik, der Möglichkeiten und nicht zu vergessen, der Mode, geprägt ist. Meine Quellen haben sich von der „laienhaften“ Videoplattform, auf der jeder das erzählen kann, was er will, bis hin zu seriösen, aber teuren Design-Büchern, bewegt.

nebenberufliche Selbstständigkeit als Kleinunternehmer

Neben Printmedien oder Unterrichtsmaterialien ist es für mich auch immer bedeutender geworden, die Arbeiten von anderen zu analysieren und für mich zu bewerten. Bei meinen Anfängen war hauptsächlich das wie die große Frage. Wie macht man sowas? Wie bekomme ich das genauso hin? Wie soll mein Werk am Ende aussehen? Dieses Denken hat sich durch meinen jetzigen Wissenstand komplett gedreht. Die Frage, die jetzt im Raum steht, ist eher das warum. Warum hat man das so gemacht? Warum setzte ich hier das Licht so ein? Warum muss es genau diese Schrift sein?

Über die Fragen, die ich mir selbst stelle, kann ich bei Aufträgen und freien Arbeiten wieder reflektieren und an meinen Fähigkeiten feilen. So verbessere ich mich immer weiter.“

Wage den Schritt in die nebenberufliche Selbstständigkeit

Beispiele wie dieses von Johannes Schlech zeigen, wie man sein Hobby zum Beruf machen kann. Und falls Du gerade in einem Beruf steckst, der Dir nicht wirklich zusagt und Du gleichzeitig mit der Selbstständigkeit liebäugelst, dann könnte die nebenberufliche Selbstständigkeit als Kleinunternehmer für den ersten Schritt ein sehr guter Kompromiss sein. Dahinter steckt kein Hexenwerk, es benötigt nur ein wenig Mut. Und das finanzielle Risiko, das sich dahinter verbirgt, dürfte sich in den meisten Fällen in Grenzen halten.

Du könntest Dir vorstellen, dass ein Interview mit Dir genau das Richtige für unser Online-Magazin wäre? Dann melde Dich doch einfach per E-Mail bei konrad@mindsetmagazine.de und stelle Dich uns vor. Wir melden uns anschließend bei Dir.