Tamay Jentjens ist der wohl bekannteste Mobility Coach in Deutschland. Ein Thema mit dem sich heutzutage immer mehr Menschen beschäftigen, ein gewisser Anteil auch sicherlich dank Tamay selbst. In unserem Interview erklärt Dir Tamay unter anderem, was man sich überhaupt unter Mobility vorzustellen hat, warum sich gerade Bürohocker näher damit beschäftigen sollten, wie Tamay auf das Thema aufmerksam geworden ist und wie genau seine Arbeit als Mobility Coach eigentlich aussieht. Außerdem erhältst Du Tipps, wie Du am besten in die Thematik einsteigst.

Das Interview ist absolut lesenswert, egal ob Du vollkommen fit und schmerzfrei bist oder schon länger körperliche Beschwerden wie Rückenschmerzen hast, zu denen kein Arzt oder Physiotherapeut eine Lösung findet. Dein Körper wird es Dir danken.

Das Interview mit Tamay Jentjens

1. Lieber Tamay, vielen Dank schon einmal für die Zeit, die Du dir für dieses Interview genommen hast. Wir wollen gleich mit der ersten Frage beginnen. Du bist „Mobility Coach“, wie würdest Du einem Unwissenden das Thema „Mobility“ kurz & knapp erklären? Ich kann mir vorstellen, dass sich gerade die ältere Generation mit diesem Begriff eher schwer tut.

Tamay: „Mobility ist der Werkzeugkasten für den eigenen Körper, so beschreibe ich das immer recht gerne. Das bedeutet, dass Du schon mit einfachen Mitteln, zum Beispiel Stretchübungen oder Rollübungen wie auf einer Faszienrolle, viele Verspannungen und Schmerzen vorbeugen kannst, indem Du eben die verspannte Muskulatur selbst bearbeitest. Dabei dreht sich viel um das Thema Beweglichkeitstraining. Häufig ist zu sehen, dass von vielen Leuten falsche Bewegungen und Haltungen angenommen werden und sich dadurch logischerweise Probleme ergeben. Daraus resultieren eben oft Schmerzen, die wir mit unseren Mobility-Methoden bekämpfen.“

Tamay Jentjens Mobility Coach

2. Was genau dürfen Kunden von Dir erwarten, wenn sie deinen Rat und deine Dienste aufsuchen? Du bietest ja sowohl Privatcoachings als auch ein Online-Coaching-Programm an.

Tamay: „Ich schaue mir zunächst einmal den ganzen Körper an. Vielleicht anders, als das ein Physiotherapeut oder Arzt tun würde. Dabei ist bei mir alles auf die Bewegungsmuster eines Menschen ausgelegt, weshalb ich mir den kompletten Körper auch immer in Bewegung anschaue. Dort zeigen sich die meisten Probleme und Verspannungen besser, als beispielsweise beim Liegen.

Sowohl im Privatcoaching als auch im Online-Programm nutzen wir Bewegungs- und Mobilisierungsübungen, um die fehlerhaften Bewegungen zu verbessern. Dadurch lösen sich häufig schon viele Probleme, die unsere Kunden haben, von selbst.“

3. Wie bist Du letztendlich auf diesen Beruf gestoßen? Als Kind hast Du zu deinen Eltern & Verwandten bestimmt nicht gesagt, dass Du später einmal Mobility Coach werden möchtest, wenn sie Dich nach deinem Traumjob gefragt haben.

Tamay: „Ich bin auf dieses Thema selbst erst aufmerksam geworden, weil ich selbst große Probleme mit meinem Körper hatte. Ich hatte sehr lange Rückenschmerzen, Plattfüße, Knieschmerzen, etc. Dabei bin ich auf das Thema Mobilty gestoßen, weil mir eben auch kein Arzt oder Physiotherapeut helfen konnte. Damit konnte ich meine eigenen Probleme lösen, die zuvor keiner in den Griff bekommen hat.

Damals habe ich festgestellt, dass in Deutschland eigentlich noch keiner darüber redet. Da wurde mir klar, dass ich das angehen und weiterverbreiten muss. Das mache ich jetzt seit einigen Jahren und es ist auf jeden Fall sehr schön zu sehen, dass ich bereits viele Leute davon überzeugen konnte.“

4. Glaubst Du, dass eine regelmäßige (Woche für Woche, Jahr für Jahr) Mobility Routine ein sehr wichtiger Grundstein dafür ist, auch noch im fortgeschrittenen Alter weiterhin ein mögliches schmerzfreies Leben (in Sachen Muskeln, Gelenke und Bewegung) zu führen? Natürlich spielen dann sehr viele weitere Faktoren eine entscheidende Rolle. Ich könnte mir aber vorstellen, dass fehlende Bewegung, mangelnde Dehnung und falsche Haltungen oft erst so richtig im Alter ihre Auswirkungen zeigen.

Tamay: „Eigentlich wäre Mobility für den Menschen überhaupt nicht nötig. Weil wir uns aber in der heutigen Zeit so ähnlich wie ein Tier im Zoo verhalten, wurde es notwendig. Die Umgebung und Stimuli, in der wir in dieser modernen Zeit leben, hat sich komplett verändert. Das bedeutet, dass wir heute viel mehr Stress ausgesetzt sind und gleichzeitig deutlich weniger Ruhe bekommen, gerade in belebten Städten wie Berlin. Wir sitzen viel mehr, bewegen uns aber weniger. Und wenn wir uns bewegen, dann bewegen wir uns häufig falsch bzw. schlecht.

Tamay Jentjens Mobility Routine

Weil unser Körper dadurch nicht mehr die Bewegung bekommt, die er eigentlich benötigen würde, ist Mobility mit seinen Stretching-, Dehnungs- und Öffnungsübungen so wichtig. Ich würde behaupten, wenn man sich wie der ursprüngliche Mensch bewegen und verhalten würde, dann würden diese ganzen Probleme nicht auftreten.“

5. Gibt es bestimmte Berufs- oder Personengruppen, die das Thema Mobility ernster nehmen sollten? Zum Beispiel Personen mit einem Job, der sie täglich 8h sitzend am Schreibtisch verlangt? Besucher von Fitnessstudios, deren Ziel lediglich das Muskelwachstum ist? Oder lässt sich dies nicht so einfach kategorisieren?

Tamay: „Doch, das würde ich schon sagen. Gerade Leute, die viel sitzen, haben definitiv besonderen Bedarf. Hier kann das Muskelgewebe schnell atrophieren und einschlafen, weil es nicht mehr bewegt wird. Dadurch ergeben sich unserer Meinung nach sehr viele Probleme.

Hier mal ein Beispiel zur Veranschaulichung: Wenn man sehr steife Hüftbeuger hat, die am unteren Rücken ansetzen, entwickelt man schnell ein Hohlkreuz. Dadurch müssen die Muskeln am Rücken stärker arbeiten. Auf die Wirbelsäule gelangt mehr Kompression, die Bandscheiben werden stärker belastet, die Muskeln werden hart und dadurch entstehen dann letztendlich Rückenschmerzen. Nur als Beispiel, um die Kette vom Sitzen ganz einfach zu veranschaulichen. Deswegen würde ich sagen, dass sich gerade diese Leute mit dem Thema Mobility beschäftigen sollten.

Und ja, auch Besucher von Fitnessstudios. Wenn man sehr einseitige Bewegungen macht, wie das bei Bodybuildern und Kraftsportlern häufig der Fall ist, führt das schnell zur Steifheit. Johannes Luckas beispielsweise, ein bekannter Bodybuilder auf YouTube, betreibt sehr viel Mobility.“

6. Hast Du schon einmal darüber nachgedacht, dich jetzt noch konkret weiterzubilden? Also beispielsweise Arzt/Orthopäde zu werden oder andere zusätzliche Ausbildungen zu machen? Wieso bzw. wieso nicht?

Tamay: „Das ist nicht mein Fokus. Ich bin kein Arzt, Physiotherapeut oder Orthopäde. Und tue auch nicht so, als wäre ich einer. Sondern bei mir dreht sich alles um Bewegung, was eben ein ganz anderer Ansatz ist. Dadurch unterscheidet sich meine Arbeit auch so von den meisten Ärzten, Physiotherapeuten, etc. Deshalb möchte ich mich auch persönlich nicht in diese Richtung weiterbilden, was aber nicht heißen soll, dass die Denkweise von Ärzten & Co schlecht ist. Es ist eben eine andere Denkweise. Übrigens bilde ich diese Denkweise auch an Ärzten, Osteopathen, usw. aus, wobei wir auch sehr gute Ergebnisse erzielen.“

Tamay Jentjens Ausbildung

7. Unsere Leser spielen jetzt vielleicht schon mit dem Gedanken, nach diesem Interview sofort loszulegen. Welche Tipps würdest Du Einsteigern geben, die sich noch nie so wirklich mit dem Thema Mobility auseinandergesetzt haben? Es gibt bestimmt Fehler, die man unbedingt vermeiden sollte.

Tamay: „Schaut dazu doch einfach mal auf meinem YouTube Kanal vorbei, auf dem inzwischen über 300 passende Videos zu diesem Thema online sind. Dort findet Ihr viele Tipps und Tricks. Den größten Fehler, den man wohl machen kann, ist an der Flut zu scheitern und quasi überhaupt gar nichts macht. Oder man denkt, es gibt eine simple Abkürzung, die alle Probleme auf die Schnelle löst.

Mobility ist eine Lebensaufgabe, an der man lange dran arbeitet, die sich aber definitiv lohnt. Wenn Du deinen Körper viele Jahre lang wie Mist behandelt hast, dann solltest Du auch die Zeit aufwenden, ihn einige Monate oder Jahre lang sehr gut zu behandeln. Einfach sich Stück für Stück einarbeiten und mit der Zeit mehr darüber lernen. Nicht anfangen ist der größte Fehler, den man machen kann.“

8. Du liest mit Sicherheit auch viel Literatur zu diesem Thema. Kannst Du konkrete Empfehlungen aussprechen (Bücher, Videos, etc.), wenn ich mich wirklich tiefer mit der Materie beschäftigen möchte?

Tamay: „Wenn jemand bereits im professionellen Bereich aktiv ist, dann empfehle ich immer gerne das Buch „Anatomy Trains: Myofasziale Leitbahnen“ von Thomas Myers, darauf baut auch einiges von meiner Arbeit auf. Außerdem finde ich das Buch „The Power of Posture“ von Naudi Aguilar sehr gut. Auch wenn das nicht ansatzweise ein vollständiges Bild vermittelt, sind dort sehr gute Übungen über Körperarbeit enthalten, mit denen man bereits viele Probleme beheben kann. Das Buch kann man in Deutschland im Netz als Download erwerben.

Tamay Jentjens bei der Arbeit

Ansonsten gibt es enorm viele Bücher. Ich stimme allerdings mit keinem vollkommen überein, weshalb ich auch sehr ungern Buchempfehlungen ausspreche. Die zwei genannten Werke kann man sich aber auf jeden Fall mal anschauen.“

9. Man lernt nie aus, das gilt denke ich auch in deinem Fall. Wie entwickelst Du dich und dein Wissen weiter?

Tamay: „Vor allem durch Anwendung. Ich lese zwar viel, bin aber auch kein Bücherwurm. Gerade über den Körper, z.B. die Gehirnchemie oder die Wirkung unserer Psyche, weiß man bislang nur sehr wenig bis gar nichts. Das Thema entwickelt sich stets weiter, weshalb ich bei der Anwendung bleiben werde und immer nur von den Besten lernen werde, von denen ich selbst auch überzeugt bin. Ich fliege beispielsweise regelmäßig um die Welt und treffe dort Leute, die über viel Wissen verfügen. Das kostet mich zwar sehr viel Geld, ist es aber definitiv wert.“

10. Hier die letzte Frage: Welchen grundlegenden Rat, den Du persönlich für am wichtigsten hältst, möchtest Du unseren Lesern in Sachen Mobility auf den Weg geben?

Tamay: „Anfangen, das ist alles. Alle suchen immer den perfekten Plan, aber fang einfach und leg erstmal los. Dann entwickle dich langsam Stück für Stück weiter. Denn wer nicht loslegt, der kann auch nichts gewinnen.“

Achte auf deinen Körper

Tamay konnte Dir in unserem Interview hoffentlich ein wenig die Augen öffnen und dich für das Thematik begeistern. Die Gesundheit ist das vermutlich Wichtigste im Leben und dazu gehört definitiv auch das Thema Mobility. Selbst wenn Du keine Schmerzen hast, solltest Du dich dennoch mit der Materie auseinandersetzen. Achte bewusst auf deinen Körper, wenn Du gesund bleiben bzw. werden möchtest. Wie Du am besten damit anfangen solltest, das hat Dir Tamay bereits erklärt. Auf seinen Internetpräsenzen findest Du alles, was Du dazu brauchst.

Tamay Jentjens im Netz
Website & Onlinekurs

Tamay Jentjens auf Social Media
YouTube
Facebook
Instagram